Muss jeder Oberarmbruch bei älteren Patienten immer operiert werden?

Ist die routinemäßige Empfehlung zur Operation schultergelenksnaher Oberarmbrüche im Vergleich zur konservativen Behandlung gerechtfertigt?


Der schultergelenksnahe Oberarmbruch, medizinterminologisch dislozierte proximale Humerusfraktur genannt,  ist eine sehr häufige Fraktur, die mit dem Alter und dem wachsenden Anteil älterer Menschen in der westlichen Welt kontinuierlich zunimmt. Menschen über 65 Jahre sind naturgemäß besonders betroffen, der Bruch ist geradezu kennzeichnend für das Vorliegen einer Osteoporose.

Die proximale Humerusfraktur wird zur Zeit in Deutschland wie auch in England vorwiegend operativ behandelt. Wissenschaftliche Untersuchungen, ob die Bevorzugung operativer Maßnahmen tatsächlich gerechtfertigt ist, lagen bisher nicht vor. 

Nun wurde erstmals in England eine saubere, randomisierte, multizentrische Studie im Zeitraum von 2008 - 2011 zur Frage der Effizienz der operativen Behandlung gegenüber der konservativen Behandlung publiziert. 32 Unfallchirurgische Kliniken nahmen mit insgesamt 250 Patienten teil. Ein Chirurg stellte bei allen diesen Patienten zunächst eine Indikation zur Operation. 

Schwerste Verletzungen mit Bruchwinkeln und Abkippungen des Oberarmkopfes über 45 Grad sowie massiver Dislokation der Fragmente ( Bruchstücke ) von über 1 cm wurden von dieser Studie ausgeschlossen, andererseits aber auch Patienten, die aus anderen Gründen nicht zufällig in die Operationsgruppe einzuteilen waren, einzuteilen waren, weil sie inoperabel waren, wie bei z.B. bei ausschließenden Comorbiditäten oder fehlender Anästhesiefähigkeit etc..

Die 250 Patienten wurden dann  in Gruppen von je 125 unterteilt. Es wurde streng darauf geachtet, dass sich in beiden Gruppen etwa gleich viele Verletzte mit je 1, 2, 3, 4 oder mehr Bruchstücken befanden, also auch gut vergleichbar waren. Eine Gruppe wurde operativ osteosynthetisch mit Platten und Schrauben oder auch mit einer Oberarmkopfprothese versorgt und erhielt anschließend Physiotherapie, die andere erhielt eine Ruhigstellung mit einer Bandage, die über 3 Wochen getragen wurde, anschließend ebenfalls physiotherapeutische Nachbehandlung.

Nach 6, 12 und 24 Monaten wurde nachuntersucht und das funktionelle outcome mit dem Oxford Shoulder Score (OSS) erfasst. Sekundäre outcome Parameter , wie etwa die Komplikationsrate, die Häufigkeit weiterer Interventionen sowie die Mortalität wurden mit dem Short Form 12 Health Survey ( SF12 ) untersucht.

Zu keinem der Zeitpunkte, also wieder nach 6, noch nach 12, noch nach 24 Monaten fanden sich nach dem OSS signifikante Unterschiede zwischen den operativ chirurgisch und den konservativ behandelten Patienten. Auch unter Berücksichtigung der Daten SF12  konnte im Rahmen der abschließenden Nachuntersuchung nach 2 Jahren kein statistisch signifikanter oder funktionell relevanter Unterschied bzgl. der von den Patienten berichteten funktionellen Outcome-Parametern, der Komplikationsrate sowie der Mortalität festgestellt werden.

Diese Ergebnisse, so das Fazit der Autoren, sprechen gegen die routinemäßige operative Versorgung dieser Frakturen. 

Originalliteratur: JAMA 2015; 313: 1037 - 1047 bzw. im Internet :  

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